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25.06.2003 Vom Sabbat zum Sonntag - Die Veränderung des Ruhetages

Die meisten Christen gehen heute ganz selbstverständlich davon aus, dass der Sonntag als "Tag des Herrn" der biblische Ruhetag ist. Viele sind sich nicht bewusst, dass es im Laufe der Kirchengeschichte zu einer Verschiebung vom Samstag, dem ursprünglichen Ruhetag, auf den Sonntag gekommen ist. Wo man um diese Veränderung weiß, glaubt man meist, die Apostel hätten die Sabbatruhe zu Ehren der Auferstehung Jesu auf den Sonntag verlegt.

Die Aufrufe, den Ruhetag wieder vermehrt zu heiligen, hört man heute in fast allen Kirchen. Man erinnert dabei an die ewige Gültigkeit und Unveränderlichkeit der Zehn Gebote. Christen aber, die den Samstag - den ursprünglichen Ruhetag - feiern, werden mitunter als Legalisten verschrien.

Stimmt es denn, dass die Apostel den Sabbat auf den Sonntag verlegt haben? Wurde der Sonntag zum Tag des Gottesdienstes? Ab wann nannte man den Sonntag "Tag des Herrn"? In der neu erschienenen Broschüre Aber am siebten Tag wird auf viele solche Fragen eingegangen. Ein freikirchlicher Theologe und überzeugter Verteidiger des Sonntags hat diese Broschüre gelesen. Er bekannte, dass er nach der Lektüre seine Meinung zum Gesetz und zum Ruhetag revidiert habe. Er ist nicht der einzige Leser, der sich über den Sabbat ganz neu Gedanken macht (vgl. Der Ruhetag Gottes).

Der Ursprung des Sonntags

In vielen von der katholischen Kirche approbierten Katechismen wird gezeigt, dass der Sonntag als Feiertag seinen Ursprung im heidnischen Sonnenkult hat. Die Wochentage erhielten in der Antike die Namen verschiedener Götter. Am 7. März des Jahres 321 erließ Kaiser Konstantin zu Ehren des Sonnengottes Mithra das berühmte Gesetz, das den Tag der Sonne zum staatlichen Ruhetag erklärte. Man weiß, dass der Sonntag vor Konstantins Sonntagsgesetz nicht die Stelle des Sabbats als Ruhetag inne hatte. So schrieb auch Papst Johannes Paul II., der Sonntag habe jahrhundertelang nur als Tag des Kultes gegolten, ohne dass ihm dabei die Bedeutung des Sabbats, also des arbeitsfreien Ruhetages, gegeben worden sei. Der bekannte deutsche Theologe Theodor von Zahn schrieb: "Den Sonntag für die Fortsetzung des jüdischen Sabbats zu halten oder ihn gar Sabbat zu nennen, ist keinem Christen der ersten drei Jahrhunderte in den Sinn gekommen, und auch noch im vierten und fünften Jahrhundert finden sich nur erst unsichere Anfänge einer solchen Betrachtungsweise."

Der Bischof und Kirchenhistoriker Eusebius ist als erster Christ bekannt, der neun Jahre nach Konstantins Gesetz versuchte, den kaiserlichen Tag der Sonne zum christlichen Sabbat umzufunktionieren. Als dann immer mehr Christen begannen, dem kaiserlichen Sonntag eine christliche Bedeutung beizumessen, gab es eine Welle von zum Teil massivem christlichen Widerstand gegen den Abfall vom Sabbat. Der Veränderungsprozess vom Sabbat zum Sonntag dauerte jahrhundertelang. Der Bischof von Rom hatte aufgrund seiner besonderen Vormachtstellung im Kaiserreich einen mächtigen Einfluss zugunsten der Sonntagsfeier (vgl. Zitate zum 4. Gebot).

Gegen Mitte des fünften Jahrhunderts schrieb Sokrates Scholastikus, dass außer in Rom und Alexandrien noch auf der ganzen Welt der Sabbat gefeiert würde. Bald aber wendete sich das Blatt zugunsten des Tages der Sonne. Doch in all den folgenden Jahrhunderten gab es immer wieder Minderheiten, die dem Sabbatgebot treu blieben und diese Treue bisweilen mit dem Leben bezahlten.

Christen entdecken den Sabbat

Heute entdecken immer mehr Christen den von Gott bestimmten Ruhetag neu. Unter dem Schuttkegel der langen kirchlichen Traditionen wird das ursprüngliche Geschenk Gottes frei gelegt. Die Wiederentdeckung des Sabbats als biblischer Ruhetag ist ein Mosaikstein im göttlichen Plan, wonach am Ende der Weltzeit, bevor Christus als Erlöser und Weltrichter wiederkommt, allen Menschen das ganze, unverfälschte Evangelium verkündigt werden soll (Mt 24,13.14).

Mit dem Sabbat wollte Gott die Menschen reich segnen. Diesen Segen wünsche ich allen Lesern von ganzem Herzen.


Quelle: Monatliches Informationsblatt 06/2003 - Stimme der Hoffnung