Der König des babylonischen Weltreiches hatte einen faszinierenden Traum. In diesem Traum zeigte Gott ihm sehr genau den Ablauf
der Weltreiche, wie sie nach und nach auf Erden kommen sollten. Dabei werden die Reiche als Teile eines Standbildes dargestellt.
Daniel
2,31-35 Du König hattest einen Traum, und siehe, ein großes
und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war
schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinstem
Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch
und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen,
seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton.
Das sahst du, bis ein Stein herunterkam ohne Zutun von Menschenhänden;
der traf das Bild an seinen Füßen .. und zermalmte sie .. Der
Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen
Berg, so daß er die ganze Welt füllte.
Babylon war das größte Reich der damaligen Zeit. Nebukadnezar, der Herrscher
dieses Reiches um 606 v. Chr., hatte einen Traum, der die Weltreiche dieser Erde
aufzeigte. Die Deutung dieses Traumes sehen wir in den folgenden Versen.
Hinweis: Klicken Sie auf das Standbild, um den Ablauf der Weltreiche zu
sehen.
Daniel 2,37.38
Du, König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre
gegeben hat und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel
in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat. Du bist das goldene Haupt.
Die Auslegung über die Bedeutung des goldenen Haupts ist an dieser Stelle sehr einfach, da die Bibel selbst die Erklärung
dazu liefert. Das goldene Haupt des Standbildes steht für das Reich Babylon. Historiker bestätigen, dass für die Architektur dieses
Reiches viel Gold verwendet wurde.
Daniel 2,39
Nach dir wird ein anderes
Königreich aufkommen, geringer als deines, danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist und
über alle Länder herrschen wird.
Nach dem babylonischen Reich sollte ein anderes Weltreich aufkommen. Im Standbild wird es durch die Brust und Arme aus Silber
dargestellt. Wie wir in Daniel 7,5 sehen werden, handelte es sich bei diesem
Reich um das Reich Medo-Persien. Am 13. Oktober 539 v. Chr. leiteten die Meder und Perser den
Euphrat um und konnten so durch das trockene Flussbett in die Stadt eindringen und
Babylon erobern.
Das dritte Königreich, das im Standbild durch das Kupfer dargestellt ist, war das griechische Weltreich.
Der brillante junge griechische General Alexander der Große besiegte
den Perserkönig Darius III. in der Schlacht von Arbela 331 v. Chr.
Der Historiker Herodot beschrieb die griechischen Kämpfer als "Männer
aus Bronze vom Meer her kommend". Die Rüstungen der Infanterie
bestand größtenteils aus Bronze.
Doch auch das griechische Reich sollte keinen Bestand haben. Am 22. Juni 168 v. Chr. ging das Reich von Alexander
dem Großen, lange nach seinem Tod, in der Schlacht von Pydna unter.
Daniel 2,40
Und das vierte wird hart sein
wie Eisen; denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird
es auch alles zermalmen und zerbrechen.
Das vierte Weltreich
wird durch die eisernen Beine des Standbildes dargestellt. Das griechische Reich wurde in der Schlacht von Pydna
durch das römische Reich abgelöst und Rom regierte die Welt von
168 v. Chr. bis 476 n. Chr. Rom war eine unbarmherzige Nation, die mit "eisernem
Stabe" herrschte. Seine Kaiser nannten sich Götter und beanspruchten Anbetung und
Gehorsam von allen Untertanen. Rom herrschte am längsten und erreichte
die größte Ausdehnung aller Weltreiche im Altertum.
Doch auch das römische Reich sollte in dieser Form nicht für immer bestehen bleiben.
Daniel 2,41
Dass
du aber die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen
gesehen hast, bedeutet: Das wird ein zerteiltes Königreich sein,
doch wird etwas von des Eisens Härte darin bleiben, wie du ja gesehen hast
Eisen mit Ton vermengt.
Im Standbild wird nach den eisernen Beinen kein neues Metall mehr erwähnt, da die Füße aus Eisen und Ton sein sollten.
Dadurch macht die Bibel deutlich, dass nach dem heidnischen Rom kein neues Weltreich mehr auf Erden kommen sollte.
Das römische Reich sollte untergehen aber nicht von einem anderen Weltreich abgelöst werden. Von Mitte des 4. Jhdt bis Mitte
des 5. Jhdt überschwemmten germanische Völker das westliche Europa. Es war die Zeit der Völkerwanderung. Goten, Burgunder, Vandalen,
Sueven, Alemannen, Hunnen und Angelsachsen verwüsteten verschiedene Teile des römischen Reichs zu Wasser und zu Land. Sie teilten
das Reich unter sich auf und dadurch entstanden die modernen Nachfolgestaaten Europas.
Interessant an dieser Stelle ist sicherlich, dass es trotz mehrfacher Versuche bis
heute nicht gelungen ist, ein weiteres Weltreich auf Erden aufzurichten. Viele Herrscher
scheiterten bei diesem Vorhaben:
- Karl der Große, König der Franken (768-814)
- Otto der Große, römischer Kaiser (936-973)
- Ludwig XIV, der Sonnenkönig (1638-1715)
- Napoleon, Kaiser Frankreichs (1769-1821)
- Kaiser Wilhelm II im 1. Weltkrieg (1859-1941)
- Hitler im 2. Weltkrieg
Die Bibel macht ganz deutlich, dass nach dem heidnischen Rom kein neues Weltreich mehr entstehen würde.
Im Alter von 29 Jahren z.B., stürzte Napoleon die französische Regierung und begann dann, die Welt
für Frankreich zu erobern. Es sah so aus, als könnte nichts ihn aufhalten. Napoleon
beschloss, Russland zu erobern. Der strenge russische Winter hatte die Pläne Napoleons
zerschlagen. Bei der endgültigen Niederlage zu Waterloo am 18.06.1815 ließ ein ungewöhnlich
starker Regen seine Artillerie im Schlamm versinken. Im Zustand der Verzweiflung soll
Napoleon gesagt haben:
"Gott, der Allmächtige, war mir zu stark."
Hinweis: Trotz Währungsunion, Handels- und Wirtschaftsabkommen wird auch Europa nie wieder ein weltmachtähnliches
Gebilde werden. Viele Kriege und viel Leid hätte verhindert werden können, wenn die Mächtigen dieser Erde
auf Gott gehört hätten. Sie hätten erkennen können, dass alle Bestrebungen, ein weiteres Weltreich aufzurichten,
nicht von Erfolg gekrönt sein würden.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was genau sich hinter dem Ton verbirgt. Metalle bedeuten in diesem Standbild politische
Weltreiche. Da Ton kein Metall ist, kann es also auch kein Symbol für eine politische Komponente des Reichs sein. Man könnte in dem
Ton sicherlich die Germanenvölker sehen, durch die das weströmische Reich unterging. Aber auch die Germanenvölker und vor allem
die durch den Zerfall des römischen Reichs entstandenen Nachfolgestaaten, sind ja wiederum politische Gebilde und diese werden
durch das Eisen in den Füßen dargestellt.
Was also bedeutet der Ton?
Jesaja 64,7 Aber nun, HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind
deiner Hände Werk.
Jeremia 18,6 Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer? spricht der HERR. Siehe, wie der
Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr vom Hause Israel in meiner Hand.
Da die politische oder weltliche Komponente in den Füßen durch das Eisen dargestellt ist, macht es Sinn, in dem Ton die Kirche,
d.h. die religiöse Komponente, zu sehen. Geschichtlich gesehen entspricht es ja auch der Tatsache, dass nach dem heidnischen Rom
das päpstliche Rom seine Herrschaft antrat und für über 1000 Jahre herrschte.
Wir war nun das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in dieser Zeit?
Dieser Vers bringt ja zum Ausdruck, dass nur etwas von des Eisens Härte in den Füßen vorhanden sein sollte. Dies bedeutet, dass die Kirche
die Vorherrschaft über die Länder haben sollte, da in diesem Reich, bestehend aus Eisen und Ton, der Ton das Sagen haben sollte. Gerade der
Gang nach Canossa, bei dem Heinrich IV. im Jahre 1077 n. Chr. bei Papst Gregor VII. darum bat, den Kirchenbann gegen ihn
aufzuheben, macht deutlich, welche Macht die Kirche im Mittelalter besaß.
Daniel 2,42
Und daß die Zehen an seinen Füßen teils von Eisen und teils von Ton sind, bedeutet:
zum Teil wird's ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein.
In diesem Vers ändern sich nun die Machtverhältnisse. Während in Daniel 2,41 der Ton über das Eisen herrscht, ist hier davon die Rede,
dass es zum Teil ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein sollte. Der Reihenfolge entsprechend stellt nun nicht mehr der
Ton den starken Teil dar, sondern das Eisen, d.h. der Staat herrscht über die Kirche.
Dies erfüllte sich, als der französische General Berthier unter Napoleon 1798 n. Chr. Papst Pius VI. absetzte und ihn nach
Frankreich ins Exil brachte, wo er dann im Juli 1799 verstarb. Dieses Ereignis markiert das Ende der Vorherrschaft
des Papsttums. Die Kirche verlor ihren Kirchenstaat und damit ihren weltlichen Einfluss.
Und dass du gesehen hast Eisen und Ton vermengt, bedeutet: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander
vermischen, aber sie werden doch nicht aneinander festhalten. So wie sich Eisen und Ton nicht mengen läßt.
Und wiederum ändern sich die Machtverhältnisse. Nun gehen Staat und Kirche, Eisen und Ton, Bündnisse ein, d.h. sie werden
sich vermischen. Gerade die heutige Zeit wird durch diese Symbolik sehr ausdrucksvoll verdeutlicht. Es gibt ein neues Phänomen,
das noch nie da gewesen ist. Es werden auf jeder Ebene Bündnisse geschlossen, die die ganze Welt umschließen: religiös,
wirtschaftlich und politisch. Was an einem Ort auf der Erde geschieht, hat Auswirkung auf die ganze Welt. Jeder ist mit einbezogen.
Keiner ist neutral.
Bis jetzt haben die Mächtigen dieser Welt immer versucht, durch Kriege ein Weltreich, bzw. eine Weltregierung
aufzubauen. Das Phänomen, das wir zur Zeit erleben, ist dagegen einzigartig in der Geschichte der Menschheit. Man versucht durch
Bündnisse zwischen Kirche und Staat eine "Neue Weltordnung" aufzurichten.
Diese unmittelbar bevorstehende religiös-politische Weltregierung, die durch die Vermischung von Eisen und Ton dargestellt wird,
findet in der biblischen Prophetie mehrfach Erwähnung. Sie wird in Offenbarung 13 als Bild
des Tieres dargestellt oder in Offenbarung 17 als Hure, die auf einem Tier sitzt.
Doch auch hier macht die Bibel deutlich, dass diese neue Weltregierung keinen Bestand haben wird, denn Kirche und Staat werden
nicht aneinander festhalten, so wie sich eben Eisen und Ton nicht mengen lässt.
Daniel 2,44.45
Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten,
das nimmermehr zerstört wird. Er wird alle diese Königreiche
zermalmen und zerstören, aber es selbst wird ewig bleiben, wie du ja gesehen hast, daß ein Stein ohne
Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte. So hat der
große Gott dem König kundgetan, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig, und die Deutung
ist richtig.
Zur Zeit dieser Könige - zum ersten Mal werden Könige im Plural genannt, was bedeutet, dass es nicht ein Königreich ist, sondern ein Bündnis aus mehreren Staaten - also wenn Kirche und Staaten sich vereinigen werden, um eine weltweite Regierung aufzubauen,
wird Gott sein Reich aufrichten, das durch den Stein dargestellt ist. Jesus wird sehr bald wiederkommen und das Böse dieser
Welt wird damit ein Ende haben. Er wird ein neues Reich aufrichten, ja sogar unsere Erde wird er neu machen, damit die
paradiesischen Zustände wiederhergestellt sein werden (vgl. Offenbarung 21).
Jesus Christus wird also zu der Zeit wiederkommen, wenn die Mächtigen dieser Erde sich alle
verbündet haben werden. Die neue Weltordnung, in der Kirche und Staat sich verbünden, wird kommen. Aber Gott wird durch die
Wiederkunft Jesu eingreifen und sein Reich aufrichten.
Zum Schluss noch einmal die Zeitlinie im Überblick: