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 Durch die Gebotsübertretung des einen Menschen [Adams] kam es dazu, dass alle verurteilt wurden. Ebenso bewirkt die Gehorsamstat des einen [Jesus], dass alle für gerecht erklärt werden und leben. Römer 5,18 (Gute Nachricht Bibel)


Heute vor 494 Jahren, am 31. Oktober 1517, nagelte der Theologieprofessor Martin Luther eine Liste mit 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg. Er wollte damit seine Kollegen zur Disputation auffordern, aber seine Thesen erwiesen sich als so brisant, dass es letztlich nicht zu einer Reformation der Katholischen Kirche kam, sondern zu ihrer Spaltung. Luther wollte sie nicht, aber er fühlte sich der Wahrheit des Wortes Gottes mehr verpflichtet als der Tradition. So entstanden die evangelischen Kirchen.

Leider wird dem "Reformationstag" heute nicht mehr die Beachtung geschenkt, die er eigentlich haben sollte. Nur in den ostdeutschen Bundesländern ist dieser Tag noch ein offizieller Feiertag. Die jüngere Generation weiß wenig oder nichts mehr über Martin Luther und die protestantische Reformation, die durch ihn ausgelöst wurde. Von Luther stammt auch die Liedzeile: "Das Wort sie sollen lassen stahn [stehen]" (aus "Ein feste Burg ist unser Gott", Wir loben Gott, Nr. 332,4). Nichts soll am Wort Gottes verändert werden.

Basis seines theologischen Denkens war die Erfahrung der Rechtfertigung des Sünders vor Gott allein durch den Glauben an Jesus Christus. Diese neue Stellung des Menschen vor Gott, die zum ewigen Leben führt, gründet sich nicht auf seine sittliche Leistung, sondern allein auf die Gnade Gottes. Wenn der Mensch seine Schuld erkennt, sich vor Gott als Sünder bekennt und ihn um Vergebung bittet, dann darf er sich der gerecht erklärenden Barmherzigkeit Gottes gewiss sein.

Ermöglicht wurde diese Rechtfertigung allein durch Jesus Christus, der Gott und Mensch zugleich ist und die Schuld aller Menschen am Kreuz gesühnt hat (V. 25). Der Einzelne kann zu dieser Rechtfertigung von sich aus nichts beitragen - außer dass er sie im Vertrauen auf Christi Erlösungstat annimmt (V. 28). Ohne die Rechtfertigung bliebe er trotz größtem Bemühen zeit seines Lebens in seinem Denken und Handeln ein "Knecht der Sünde" (Röm 6,16-18). Vor Gott bleibt er laut Luther sowohl Sünder auch als Gerechtfertigter, kann sich jedoch aufgrund der Gnade Gottes gewiss sein, dass er -wenn er im Glauben an Christus festhält - das ewige Heil erlangt (siehe Kol 1,22.23). Das lohnt sich gewiss zu feiern!

Klaus Schulz


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